Skip to content

WKÖ-Umfrage: Kunden mit Maklerleistungen sehr zufrieden

WK-Immobilienwirtschaft erteilt klare Absage an Bestellerprinzip - Situation in Deutschland beweist: System ist untaugliches Mittel für leistbares Wohnen

Wien, 4. April 2017 – Maklerkunden sind grundsätzlich mit den von Maklern erbrachten Leistungen sehr zufrieden. Dies zeigt eine Ende März von marketagent.com durchgeführte, österreichweite Umfrage im Auftrag des Fachverbandes der Immobilientreuhänder deutlich auf. Demnach waren 87 Prozent der befragten Personen, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre ein Immobiliengeschäft über einen Makler abgewickelt haben, mit der erbrachten Dienstleistung eher oder sogar sehr zufrieden. Vier von zehn Personen hatten den Eindruck, dass der jeweilige Makler überwiegend die Interessen des Konsumenten vertritt. Weitere vier von zehn sagen, dass die Interessen ausgewogen vertreten wurden - damit bestätigen acht von zehn, dass der Makler ihre Interessen ausgewogen oder überwiegend vertritt.
Von den befragten Personen haben 83 Prozent eine Maklerprovision bezahlt. Georg Edlauer, Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich: „Die aktuellen Ergebnisse beweisen klar, dass der Vorwurf, Makler würden lediglich für die Vermieter Leistungen erbringen, komplett an der Realität vorbeigeht. Hier wird eindeutig versucht, über negative Stimmungsmache politisches Kleingeld auf Kosten einer ganzen Berufsgruppe zu machen. Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus.“

82 Prozent würden ihren Makler weiterempfehlen
„82 Prozent der Befragten waren nicht nur mit den Leistungen des Maklers zufrieden, sie würden ihn laut Umfrage sogar weiterempfehlen“, so Edlauer weiter. „Kunden erwarten von einem Makler, dass er vor allem ehrlich, vertrauenswürdig und seriös ist. Für fast jeden dritten Befragten sind dies die wesentlichsten Eigenschaften eines Maklers. Danach folgen bereits Kompetenz und Fachwissen, dann erst Freundlichkeit und gute Beratung. Makler haben also bei ihren Kunden ein weitaus besseres Image als immer wieder behauptet wird.“
IMMY-Mystery Shopping: Verbesserung der Maklerleistungen an breiter Front
Unterstützt werden die aktuellen Umfrageergebnisse von den Ergebnissen des Mystery Shoppings im Rahmen des IMMY, bei dem jährlich über 200 Wiener Maklerunternehmen von der Fachgruppe Wien auf Herz und Nieren getestet werden. 2016 wurden dafür fast 500 Mystery-Shopping-Tests durchgeführt. Michael Pisecky, Wiener Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder und Maklersprecher des Fachverbandes: „Zwei Drittel der getesteten Unternehmen haben eine gute, 51 Prozent sogar eine sehr gute Kundenorientierung gezeigt. 2009 lag dieser Wert noch bei etwa 16 Prozent. Aber nicht nur die besten Unternehmen haben sich verbessert. Auch der Durchschnitt der Unternehmen konnte sich in den vergangenen sieben Jahren im Bereich Kundenorientierung um ein Drittel steigern. Das sind eindeutige Signale dafür, dass die Makler die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihre Leistungen massiv professionalisiert haben.“
Beispiel Deutschland zeigt negative Konsequenzen des Bestellerprinzips auf
1.) Wohnungsangebote um über ein Drittel eingebrochen
Der Ruf nach dem Bestellerprinzip - dem Wegfall der Maklerprovision für den Mieter – wird von Politik und Mieterschutzorganisationen als wichtiges Instrument gesehen, um Wohnen leistbarer zu machen. Erstmals gibt es dazu valide Informationen aus Deutschland, wo dieses System Mitte 2015 eingeführt worden ist. Eine aktuelle Statistik des Hamburger Marktforschungsunternehmens F+B untersucht regelmäßig die Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt und hat für das dritte Quartal 2016 gemeldet, dass es deutlich weniger Wohnungen auf dem Markt gibt. Waren es im ersten Quartal 2015 bundesweit noch über eine Million Mietwohnungsangebote, waren es zuletzt nur noch 668.000 Wohnungen.
Reinhold Lexer, stellvertretender Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKÖ: „Seit der Einführung des Bestellerprinzips ist die Anzahl der Mietangebote im Internet um fast 36 Prozent, also rund ein Drittel gesunken. Sowohl F+B als auch der Immobilienverband Deutschland (IVD) führen diesen Rückgang auf die Einführung des Bestellerprinzips zurück. In Deutschland vermitteln nun viele Vermieter selbst, was zu einem Umsatzeinbruch von rund 20 Prozent für die gesamte deutsche Maklerbranche geführt hat.“ Gemäß einer Aussendung des IVD ist das Angebot an Online-Immobilien-Portalen auf Basis einer Umfrage unter seinen 6.000-Mitgliedern sogar um 40 Prozent gesunken.


2.) Mieter haben weniger Zugang zu freien Wohnungen
Reinhold Lexer weiter: „Private Vermieter beschreiten in Deutschland alternative Wege, um nach einem Mieter zu suchen und eine Vermittlungsprovision zu vermeiden. Die Folge ist, dass freiwerdende Mietwohnungen seltener über Anzeigen in Printmedien und Online-Plattformen geschaltet werden. Stattdessen versuchen Vermieter, über Familie, Freunde und Bekannte einen Nachmieter zu finden. Wer niemanden kennt, bleibt auf der Strecke.“
Das Bestellerprinzip verändert die Geschäftssituation. Eine Vermietung ist im Grunde kein Maklergeschäft mehr, sondern lediglich eine Geschäftsbesorgung. Im Vordergrund steht nur noch die Dienstleistung für den Vermieter. Die Zahl der Mieter, die aufgrund schlechterer Bonität vom Zugang zu Wohnungen ausgeschlossen sind, wird ansteigen. Der Wohnungsmarkt wird damit weniger öffentlich. Lexer: „Vor allem für Mieter, die in eine neue Stadt umziehen möchten, könnte es damit künftig sehr schwer werden, eine geeignete leistbare Wohnung zu finden.“
3.) Mieten 2016 doppelt so stark gestiegen wie im Jahr davor
Seit der Einführung des Bestellerprinzips in Deutschland Mitte 2015 sind zudem die Mieten deutlich stärker gestiegen als in den Vorjahren. Aktuelle Zahlen des Deutschen Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zeigen, dass in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern die Mieten bei Neuverträgen im Jahr 2016 um rd. 6,3, bundesweit um rd. 5 Prozent, gestiegen sind. Die Steigerungsrate ist damit doppelt so hoch wie 2015.
Lexer: „Zusätzlich zum normalen Preisanstieg rechnen viele Vermieter auch noch die höheren Vermittlungskosten in die Miete ein. Der positive Effekt für einzelne Mieter, die keine Provision mehr zu bezahlen haben, wird auf den gesamten Markt übertragen. Die Konsequenz sind höhere Mieten für alle Neumieter. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Wer also in Österreich mit der Idee des Bestellerprinzips hausieren geht, sollte die Menschen auch über die tatsächlichen Konsequenzen informieren.“
Die Folgen des Bestellerprinzips für Österreich
1.) Über 20.000 freie Wohnungen würden vom Markt verschwinden
Rund 5.000 Mitarbeiter von Maklerunternehmen beliefern im Durchschnitt die heimischen Internetportale mit insgesamt 67.800 Mietwohnungs-Angeboten (Quelle: IMABIS GmbH., Stichtag: 1. April 2017). Mag. Georg Edlauer: „Das Schrumpfen des Marktes um ein Drittel – wie in Deutschland – würde den Wegfall von rd. 20.000 freien Mietwohnungen am Markt bedeuten. Davon betroffen wären vor allem jene Menschen, die günstige Wohnungen suchen, denn genau diese werden zuerst ‚unter der Hand‘ vergeben.“
2.) Aus für rund 30 Prozent der Maklerbetriebe
Österreichische Maklerbetriebe sind meist kleiner als jene in Deutschland. Dies macht sie noch empfindlicher auf gravierende Veränderungen, wie sie das Bestellerprinzip mit sich bringen würde. Edlauer: „Geschätzte 30 Prozent der Maklerbetriebe würden durch diesen staatlich verordnete Einnahmenentfall einen Großteil ihrer Existenzgrundlage verlieren. Eine Pleitewelle wäre die Konsequenz. Österreichweit würde das den Verlust von tausenden Arbeitsplätzen kosten. Und das aufgrund einer Forderung von Organisationen, die sich den Arbeitnehmerschutz auf ihre Fahnen heften.“
3.) Wien besonders stark betroffen
Durch den großen Anteil an Zinshäusern im Privateigentum ist die Situation hierzulande noch problematischer als in Deutschland. Eine Übernahme der Provision durch den Vermieter ist vor allem in Wien oft illusorisch. Die Einnahmensituation lässt dies oft gar nicht zu. Michael Pisecky warnt vor einer zu erwartenden Negativspirale: „Rund 38 Prozent aller angebotenen Mietwohnungen befinden sich alleine in Wien. 74 Prozent der Zinshäuser sind in Privatbesitz. Aufgrund des zweitniedrigsten Richtwertes in Österreich verspüren diese bereits jetzt einen enormen Spardruck. Der Anreiz, freie Wohnungen selbst zu vermitteln, wäre noch größer als in Deutschland. Vor allem günstige Wohnungen, würden im Bekannten- und Freundeskreis vergeben werden und dann am Markt fehlen. Diese zusätzliche Verknappung treibt die Preise weiter nach oben. Wer kann, wird die höheren Kosten in die Miete einpreisen, was insgesamt zu höheren Mieten bei Neuvermietungen führen würde.“
4.) Print-Medien durch Verluste an Inseraten-Einnahmen belastet
Das Wegbrechen dieses Marktanteiles würde aber nicht nur Makler und Wohnungssuchende treffen, sondern auch die Printmedien, denn 74 Prozent der Inserate werden von Maklern geschaltet und bezahlt. Pisecky: „Das Bestellerprinzip würde auch Printmedien massiv belasten und zusätzliche Fördergelder notwendig machen, um ein Zeitungssterben zu verhindern. Betroffen wären auch Softwareunternehmen, Internetportale, Werbeagenturen und Druckereien, aber auch Steuerberater und deren Mitarbeiter, die ebenso bis zu ein Drittel jener Einnahmen verlieren würden, die aus der Zusammenarbeit mit den Maklerunternehmen stammen.“
5.) Mieter verlieren Rechtssicherheit
Selbstverständlich haftet der Immobilienmakler als Sachverständiger für seine Dienstleistung und bereitet das Mietobjekt gemäß seiner Informationspflichten für den Mietinteressenten auf. Diese Interessenswahrungspflicht ist bei einseitiger Vertretung des Vermieters zu Lasten des Mieters nicht mehr gewährleistet. Pisecky: „Wir erfüllen die gesetzlichen Vorgaben, die die Konsumenten schützen. Das Instrument der Provisionsminderung ist dabei ein wertvoller Gewährleistungsbehelf für den Konsumenten, der die Haftung des Sachständigen in der Praxis sicherstellt. Das Ergebnis wäre eine spürbare Zunahme der gerichtsanhängigen Fälle aufgrund von Irrtümern und Fehlern bei Mietgeschäften, da die meisten Vermieter kaum mit den mietrechtlichen Erfordernissen betraut sind bzw. nicht über die umfangreichen Ausbildungen eines Immobilienmaklers verfügen.“
6.) Vermittlungskosten nicht mehr transparent
Michael Pisecky: „Es ist unverständlich, dass man in diesem Bereich den Menschen nun Transparenz nehmen will, die in vielen anderen Bereichen - etwa bei Finanzdienstleistungen – ganz groß geschrieben wird. Bei Maklerleistungen aber will man den Menschen vorgaukeln, dass die anfallenden Kosten sich in Luft auflösen, wenn man sie nicht extra ausweist. Diese Transparenz fehlt auch im gemeinnützigen Bereich, wo diese gesetzlich den Wohnungsnutzern zugerechnet werden bzw. von der Allgemeinheit bezahlt werden.“
Zusammenfassung
Konsequenzen des Bestellerprinzips für die Mieter wären ein Einbruch beim Wohnungsangebot, weniger Chancen auf eine freie günstige Wohnung, steigende Mieten bei Neuvermietung und der Wegfall von Transparenz und Rechtsicherheit bei Mietgeschäften. Rd. 30 Prozent der Maklerunternehmen, darunter zahlreiche Familienunternehmen, würden durch fehlende Einnahmen mittelfristig in die Pleite gedrängt werden, was den Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen bedeuten würde. Insgesamt würde die Branche mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes verlieren. Zusätzlich würden zahlreiche andere Branchen, die direkt oder indirekt vom Minus bei Immobilien-Inseraten betroffen wären, massiv an Umsatzvolumen verlieren. Die gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen wären fatal.
Conclusio
Georg Edlauer fordert anlässlich der ersten Erkenntnisse aus Deutschland ein endgültiges Ende der Diskussion über eine Einführung des Bestellerprinzips in Österreich. Die zahlreichen negativen Erfahrungen zeigen eindeutig, dass diese scheinbare Entlastung für Einzel-Mieter zu einer enormen Verschlechterung der Gesamtsituation am Mietmarkt führen und sich auch Gesamtwirtschaftlich negativ auswirken würde. Das Prinzip des Maklerwesens ist es, Vermieter und Mieter zusammenzubringen. Daher ist eine Teilung der Vermittlungskosten zwischen beiden Parteien - wie derzeit praktiziert - die einzige gerechte und sinnvolle Form.
Leistbares Wohnen kann nur dann garantiert werden, wenn ausreichend gebaut wird. Was es braucht, sind Anreize für Investitionen in den Neubau und keine weiteren Restriktionen. Viele Maßnahmen der Politik in der jüngeren Vergangenheit, wie z.B. Belastungen im Zuge der Steuerreform, haben die Immobilienwirtschaft schwer getroffen. Wenig sinnvoll sind daher auch Forderungen nach einer Mietpreisobergrenze. Diese würden nur den Neubau und notwendige Sanierungsmaßnahmen in den Bestand weiter einschränken.
Rückfragen & Kontakt:
Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Immobilientreuhänder
Tel.: 05 90 900-5526
E-Mail: immobilienwirtschaft@wko.at

4 Apr